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Intermezzo - Juni 2026

  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit


Intermezzo - 13. Juni 2026


Der Himmel ist wolkenlos, die Temperaturen über dreißig Grad, die Sonne steht fast senkrecht über den Häusern, dem Gras, den abgeernteten Feldern, den Büschen, Bäumen und Sträuchern, den Weinreben mit den immer noch frisch wirkenden hellgrünen Blättern, dem Süßwassersee in den Hügeln hinter dem Ort, dem Étang de Thau und dem Mittelmeer; die Sonne würde uns den Verstand aus der Birne brennen, wenn wir um die Mittagszeit das Haus verließen. Und doch fühlt es sich draußen nicht unangenehm an, denn es weht ein warmer Wind, der den aus Poren drängenden Schweiß im Nu verdunsten ließe und uns so einen kühlenden Effekt auf der Haut bescherte, wie ein kaltes Bier in Gaumen und Kehle.


Heute Morgen wollte ich die erfrischende Luft nutzen, um gleich nach dem Aufstehen laufen zu gehen. Stattdessen las ich Marcel Prousts Essay über Flauberts Gebrauch der Grammatik, der bleibenden Eindruck in Proust hinterlassen, ihn zum Denken und Schreiben angeregt hatte, wie er selbst schreibt. Seinen Essay „Tage des Lesens“, im gleichen Suhrkamp Bändchen auf Deutsch veröffentlicht, las ich mit viel Genuss.


Vielleicht schreibe ich darüber, sollte mich die Muße, eine Muse wird es nicht sein, heute oder morgen noch küssen. Einige seiner Sätze sprechen mir aus der Seele; das sollte mich verdächtig stimmen und tatsächlich fing ich an, über das Gelesene nachzudenken. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe, was ein Genie vor hundert Jahren so stilvoll in Worte fasste.


Gut, manchmal flieht das Pferd und Proust kann es kaum halten. Manche Sätze wirken im Essay wie ein Rembrandt auf einem Markt für Kunsthandwerk. Das macht die Lektüre menschlich und gehört nach meinem Empfinden zum Wesen eines Essays im wahren Sinne des Wortes oder so, wie ich es für mich entschieden habe.


Der Essay erfüllt seinen Zweck. Er regt mich an, selbst über das Lesen nachzudenken, in mir zu forschen, was es für mich bedeutet, Gedanken wachsen zu lassen, sodass ich sie irgendwann in eine zumindest für mich verständliche Form bringen kann. Ich spürte beim Lesen, dass mich nicht jede Passage berührte.


Zeit zum Kochen. Wir wollen die Nachmittagshitze und die Sonnenstrahlen nach dem Essen für eine Fahrradtour oder einen Spaziergang nutzen, vielleicht ans Meer fahren oder an den Étang de Thau gehen, um dort eine Runde zu schwimmen. Das wird anstrengend werden, zumal ich heute Morgen mit schweren Beinen schon laufen war, während das Zirpen der lebhaften Zikaden ein höllisches Getöse verursachte.


Was es zu Essen gab, bleibt ebenso unser Geheimnis wie der weitere Tagesablauf.

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