Hitze im Mai
- 28. Mai
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Hitze im Mai
Wenn im Mai die Temperaturen in unseren Breitengraden tagsüber tagelang über 30 Grad liegen und es in unseren Wohnungen unerträglich heiß wird, weil wir keine Klimaanlagen haben, denken viele unweigerlich an den Klimawandel oder die vorausgesagte Klimakatastrophe. Aufgrund der ideologischen Berichterstattung in den Medien fällt es mir schwer, mir ein objektives Bild von der kurz-, mittel- und langfristigen Zukunft zu machen, die apokalyptischen Botschaften oder die beruhigenden, besänftigenden Einschätzungen weniger Skeptiker auf Plausibilität zu prüfen. Die unerträgliche Hitze in der Wohnung lähmt meinen Enthusiasmus, die neuesten Studien zu suchen, zu lesen, zu studieren und zu werten, wenn mangelnde Expertise auf diesem Feld das Unterfangen nicht ohnehin zum Scheitern verdammte.
Die öffentliche Berichterstattung war schon immer ideologisch, von kommerziellen und/oder politischen Interessen gefärbt, wie schon Balzac in „Verlorene Illusionen“ meisterhaft beschreibt. Ich wünschte mir Medien, die ausgewogen auf Basis von Fakten berichten und vergesse leider immer wieder viel zu schnell, dass diese nur davon leben, gelesen, gesehen oder gehört zu werden. Die meisten Medienhäuser konzentrieren ihre Berichterstattung daher auf ihre Klientel. Die neuen Heldinnen und Helden in den Sozialen Medien finden ihr Publikum oder sterben den Heldentod. Fakten, die überhaupt nicht mit der konstruierten Realität der Blase zu vereinbaren sind, werden nicht wahrgenommen, marginalisiert oder von den Redaktionen und Influencern bewusst ignoriert. So entstehen Clans, die sich als Kriegsparteien unversöhnlich gegenüber stehen, bis (zumindest kurzfristig) existenziellere Probleme die Aufmerksamkeit des Tagesgeschehens konsumieren.
Konstruierte Realität in Blasen ist resilient. Die Kommunikation in der Blase hält die konstruierte Realität für die Wahrheit, wobei es nur eine Wahrheit geben kann, so wie es bei einer Fußballweltmeisterschaft nur einen Sieger geben kann. Vielleicht macht das einen Teil der Faszination eines großen Sportereignisses aus. Der Sieg schafft selbst in einer diffusen Medienlandschaft Klarheit, eine Wahrheit, deren Leugnen, jede Blase zum Platzen brächte. Wir gehen implizit davon aus, dass die kolportierte Realität in den Medien der Wahrheit entspricht oder um die Latte auf ein menschliches Maß zu legen - denn nicht jedes Ereignis ist so eindeutig wie der Sieg in einem Endspiel, dass nicht bewusst etwas berichtet wird, das mit Sicherheit keine Entsprechung in einer uns unbekannten, unzugänglichen Welt da draußen findet.
Was können wir wissen, ist noch immer eine relevante Frage - wenn man so will, zumindest im praktischen Sinn. Sie ist nicht nur relevant für Wissenschaftler und Philosophen, sondern auch für Philosophen des Alltags, die sich fragen, wie heiß es tatsächlich ist, ob die Wettervorhersage auf der Wetter-App stimmt, ob sie bei dieser Hitze den Rasen mähen sollten, ob dabei nicht ein gesundheitlicher Schaden drohte, ob die Hitze nicht rechtfertigte, das Mähen des Rasens auf unbestimmte Zeit zu verschieben, ob das Rasen mähen noch eine Tätigkeit ist, der sich ein Mensch hingeben sollte; leider haben wir keinen Roboter, der das Mähen übernehmen könnte.
Nun, ich habe die Anstrengung in der Hitze des Mainachmittags ohne Schwächeanfall überstanden, wobei ich mangels geeichtem Thermometer, Notwendigkeit, Zeit (immer eine gute Ausrede) und Lust, darauf verzichtete, die Temperatur selbst zu messen und wie (fast) jeder von uns der Temperaturanzeige der Wetter-App vertraute. Ganz so heiß, kam es mir nicht vor oder ich habe mich inzwischen an die Hitze gewöhnt; vor einigen Jahren (Jahrzehnten) konnte es meinem Empfinden nach nicht warm genug sein - draußen in der Welt.
Ich gebe es ungern zu, aber wenn ich die drohende Apokalypse ausblende, genieße ich das schöne Wetter. Gräser und Blätter sind saftig grün, die ersten Früchte im Garten sind reif und im Wald wuchern und duften Bäume, Büsche und Bärlauch. Der letzte Regen liegt noch nicht so lange zurück und der Rasen ist endlich gemäht. „Nach mir die Sintflut.“


