Im Kreisel
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Im Kreisel
Wer nicht weiß wohin,
Kreist um die Mitte.
Unbemerkt
Fährst nur Du im Kreis,
Die Mitte ist kein Ort zum Bleiben,
Bepflanzt, bebaut, vielleicht
Hübsch anzuschauen und doch
Unerreichbar.
So viele Ausfahrten,
Die kommen und gehen,
Immer die gleichen,
Der Himmel so blau
Kein Ziel, keine Bitte,
Keine Bitte zu kommen,
Keine Bitte zu bleiben.
Im grellen Licht
Im Kreisel gefangen,
Von niemand bewacht.
Bald wird es dunkel
Und der Sprit geht zur Neige,
Panik bemächtigt sich Deiner,
Aber Hält Dich
als Entschädigung wach.
Du musst Dich entscheiden:
Bleibt nur, um die Mitte zu kreisen
Wie Jupiter, Mars und die andern?
Der Zeit weit voraus,
Warum heute schon leiden?
Wer nicht weiß wohin,
Kreist um die Mitte.
Noch vor dem Erlöschen des Lichts
Das leidige Kreisen endet,
Ohne dass das Schicksal sich wendet.
„… ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil,
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel …“ (Rilke, 1906)
Kein Schauen im Kreisen,
Von Nichts berührt und gerührt.
Wer nicht weiß wohin,
Kreist um die Mitte.
So bleibt man mobil.


