Das Schloss von Franz Kafka
- 16. Mai 2025
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Das Schloss von Franz Kafka
Welch ein Glück, dass die Stadt Barcelona den deutschen Pavillon der Weltausstellung von 1929 (von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich) für die Nachkommenden rekonstruiert und wieder aufgebaut hat. Die Grenzen von Innen und Außen fließen ineinander über, Innen und Außen bilden eine Einheit, gehören zusammen. Die Konstruktion erlaubt, die Räume durch Versetzen der Innenwände und der Wände zwischen Innen und Außen flexibel zu gestalten, mag sein, dass Harmonie nur in bestimmten Konstellationen aufkommt.
Das Außen gehört zum Innenraum. Käme Unbehagen auf, wenn man die Wände auf andere Weise anordnete? Ich habe den Komplex leider noch nicht persönlich in Augenschein genommen, anhand der Fotos kann ich das kaum beurteilen. Die Fotos des minimalistisch eingerichteten Gebäudes vermitteln einen transparenten Eindruck, der Pavillon strahlt Klarheit aus.
„… Vom Schlossberg war nichts zu sehen, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schoss an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führt, und blickte in die scheinbare Leere empor.“
Das Schloss lässt einen nicht los. Ihm liegt keine Konstruktion zugrunde. Die Protagonisten durchdringen weder die Innen- noch die Außenwelt. Die Außenwelten bleiben Teil der Innenwelten, erst beim Lesen entsteht der Kosmos.
Nur die sind mit sich im Reinen, die nichts hinterfragen. In klarer, minimalistischer Sprache erscheint das Verborgene, oft im komisch Grotesken und doch führt die Ausformulierung der Gedanken zu immer größeren Komplikationen und letztlich nicht zum lächerlichen Ziel, wenn das denn den Betroffenen überhaupt klar ist. Wir hören dem Irrsinn eines Denkens zu, das im wahren Leben meist unartikuliert, verborgen bleibt.
Nicht nur Einzelpersonen wie K. verstricken sich, sondern auch soziale Gemeinschaften, wie das die Geschichte der Familie von Barnabas in Olgas Pläne verrät. Wie befreit man sich aus der unbewussten Gefangenschaft? Fragen, die man nicht stellen kann, bleiben unbeantwortet.
Solange wir offene Fragen stellen, wissen wir nicht, wie das Leben weitergeht. So endet das Schloss ungeöffnet, vielleicht unbefriedigend, aber es bleibt spannend zu erleben, wie wir uns Zugang verschaffen. K. hofft vergebens, wir, dank des Textes, nicht. Das Schloss ist der Schlüssel.
Nicht jeder kann in den Spiegel schauen, wenn sie oder er oder es etwas Schönes sehen will, der Besuch einer Galerie oder eines Gebäudes wäre eine Alternative. Bilder, Skulpturen, Gebäude und besonders auch Texte dürfen ohne Scham bewundert werden.


