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Tagebucheintrag - Eine Reise nach Straßburg im 21. Jahrhundert

  • 5. Mai
  • 2 Min. Lesezeit



Tagebucheintrag - Eine Reise nach Straßburg im 21. Jahrhundert


Ich sitze im Innenhof des Cafés Panacée

und trinke einen Espresso.


Bisweilen schuldet ein Leben

den banalsten Zufällen den größten Dank.


Drei vor zwei fährt mein Zug nach Straßburg ab.


Ich genieße den Platz auf der Bank

unter dem belaubten Baum

und warte in dessen Schatten,

dem der fruchtbare Baum

sein langes Leben verdankt.


Zwölf Uhr dreißig ist es jetzt.

Mein Glaube an die Anzeige des Smartphones

ist fast unerschütterlich.


Ein leichter, lauer Wind weht.

Samenkörner, die an Fallschirmen hängen,

regnen auf mein Haupt,

verfangen sich in den wenigen Haaren,

die mir nach all den Jahren

noch immer die Treue bewahren,

als wollten sie mich befruchten,

ein zweckloses Unterfangen

oder gibt es noch Hoffnung

auf oder unter der Haut?


Die Untertasse steht auf der Tasse,

sodass dem kostbaren Code

nicht der sinnlose Tod droht.

Das klingt nicht nur komisch,

sondern sieht auch so aus.


Eine Stechmücke landet todesmutig auf meiner Hand.

Ich bleibe gelassen und leidenschaftslos.

Sie überlebte,

weil sie die richtige Entscheidung traf,

dem Wind nicht trotzte

oder spürte sie meinen gleichgültigen Blick,

den sie, des Lebens noch lange nicht müde,

vorsorglich nicht richtig verstand?


Was bringt uns die Mühe, das Leben zu greifen?

Eine irre Metapher, eine verbotene Frucht,

nicht fähig am Baum der Erkenntnis zu reifen?


Ich puste den Code von der Untertasse auf Tisch und Boden.

Hinter mir spielen Kinder im zauberhaften Bambuswäldchen

auf fruchtbarem Boden,

Ihr Spiel, für mich ein Traum, für sie das Leben.


Grün eingeschneit mit Code, ist es Zeit,

ihn abzuschütteln,

aufzubegehren und aufzubrechen.


Ich sitze wieder im Zug des Lebens,

das dahin rast in den Augen der Alten, im Baby fast still steht,

das eine Reihe vor mir, nachdem es aß, trank, die Umwelt erforschte,

seit kurzem ganz friedlich auf der Brust des Vaters schläft.


„Im Schatten der jungen Mädchenblüte“ ist es zu anstrengend.

Zeit für Wasser und trockenes Brot.

Wenn ich auf dem smartphone schreibe,

nähre ich das Gefühl,

als wäre ich hier nicht allein,

ich bin mit der Welt verbunden,

wenn schon Proust nicht mit mir spricht.


Und mein Glaube an den Code,

der im Innenhof des Cafés Panacée in Montpellier

auf Tische, Bänke, Steinplatten

und ins traumbeschwerte Bambuswäldchen fällt,

ist fast unerschütterlich.


Und vielleicht trug ich,

natürlich unwissentlich,

den Code hinaus in die Welt,

auf dass der Schatten des Baumes,

den Matcha Tee in der Hand,

der nächsten gefällt,

die Stimmen der Vögel

in den belaubten Zweigen

auch ihre Gedanken bewegen,

während die Stechmücke und ich

schon längst nicht mehr ...

oder, was viel wahrscheinlicher ist,

als hätt‘s die Stechmücke und dich

nie gegeben.


Ich kam planmäßig in Straßburg an.

Nur noch wenige Kilometer nach Hause,

denk‘ ich hier jedes Mal in meiner kindlichen Naivität,

bevor das Abenteuer der Reise beginnt,

das dem Smartphone

seine existenzielle Bedeutung schenkt.

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