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Für Dich

  • 22. Dez. 2025
  • 1 Min. Lesezeit


Für Dich


Markt und Straßen stehn verlassen

Alles sieht so festlich aus.


Die Seele sitzt im Bollerwagen,

rattert wie auf Kopfsteinpflaster,

saufend, raufend, Zähne fletschend

Träume webend, doch vergebens,

sucht sie das Glück im Einerlei,

wabert hoffend, bangend, manchmal frei

im abgrundtiefen Niemandsland.

Ist die Jugend schon vorbei?


An den Fenstern haben Frauen

Buntes Spielzeug fromm geschmückt.

Und ich wandre aus den Mauern

Bis hinaus ins freie Feld.


Weltumfangend Trostgesuch bleibt ungehört und unerhört

Tribut verlangend, rauscht das Leben rasch dahin,

Bilder sammelnd, folgenlos im Wolkenmeere,

ichverloren sucht die Seele

Selbstauflösung in des andern Traumgebilde

und bleibt doch jedes Mal allein.


Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!

Wie so weit und still die Welt!


Sturmgewitter ziehn vorüber,

rasend, tobend, ausgelassen.

Regenschauer prasseln nieder

auf die ausgedörrte Wiese,

Gräser sprießen, Wiesenkräuter,

Blumen blühen, nie gesehen,

Nur die arme Seele nicht.


Sterne hoch die Kreise schlingen;

Steigt‘s wie wunderbares Singen:


Die Kerze brennt,

wirft Licht aufs Bild,

ein schönes Bild,

das Antlitz strahlt.

Die Tür geht auf,

der Wind bläst kalt

die Kerze aus,

die Seele ohne Namen.


Doch welch ein Glück!

Seelen gibt es nicht.

O du gnadenreiche Zeit!



P.S.: Eichendorff gebührt mein Dank.


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